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Löws B-Probe positiv

..ungeahnter Rum ganz außen

Außenverteidiger sind schon ein eigenes Völkchen. Früher hießen die meisten „der da hinten rechts“ oder „links hinten“, während in der Mitte Manndecker und/oder Libero eventuell noch namentlich bekannt waren. Sieht man mal von Manni „Bananenflanke“ Kaltz oder der „Waltz aus der Pfalz“ ab, werden selbst eingefleischte Fußballfans bei der Auflistung vergangener Erfolgsmannschaften das erste Mal bei dem Namen des rechten Verteidigers stocken und beim linken aufgeben. Selbst bei dem Rückblick in die eigenen Jugendmannschaften im Verein müssen im Regelfall Eselsbrücken wie „der Blonde, der immer die Paninibilder verloren hat“ helfen, damit man sich ein Bild machen kann. Es waren halt die Typen, die konditionell stark, aber technisch eingeschränkt waren und auf der Position nicht viel anrichten konnten. So war es immer und so wird es immer sein dachten alle.

Die offensivere Ausrichtung der Außenverteidiger hat in den letzten Jahren jedoch dafür gesorgt, dass sich dieses Bild grundlegend gewandelt hat. Philipp Lahm hat den Anfang in Deutschland gemacht, in dem er es tatsächlich vom „kleinen Lahm“ zum Kapitän geschafft hat und dabei sogar den hochgelobten aber in die Jahre gekommenen Ballack abgelöste. Jogi Löw hat damals eine unpopuläre aber sehr weise Entscheidung getroffen. Lahm besticht nicht nur durch Spielintelligenz, sondern auch durch technische Fähigkeiten, die weit über das hinausgehen, was man früher auf der Position erwartet hatte. Er führt die Mannschaft nicht nur auf dem Platz und hat sich zu einem Typen gemausert. Mittlerweile verkaufen sich sogar Trikots mit seinem Namen, ein Umstand, der ihm mit Sicherheit den Neid vieler „Ehemaligen“ einbringt.

Spätestens seit gestern ist die Ära der grauen Mäuse nun vollkommen passé. In den ersten drei Spielen der Nationalelf wurde fast mehr über die B-Frage (Boateng, Bender oder Bendikt Höwedes), als über andere Mannschaftsteile diskutiert. Natürlich spielte der nächtliche Ausflug Boatengs im Berliner Nachtleben eine Rolle, als er weniger seine Kopf(ball)stärke, denn seine Ausdauer unter Beweis stellte und bis in die Morgenstunden Nachhilfe in Fussballtheorie gab. Auch unsere Gegner verhalfen ihm zu ungeahnter Prominenz, indem sie namenhafte Kicker, wie Ronaldo, Affelay oder Robben auf die Außenbahnen stellten und somit ein besonderes Augenmerk auf die Verteidiger geworfen wurde.

Trotz allem hat sich der gute Jerome dort mehr als bewiesen. Mit sehr gutem Stellungsspiel und offensiven Akzenten avancierte er zu einem der Matchwinner. Gute Entscheidung Herr Löw, ihm trotz der Vorgeschichte zu vertrauen. Mit dem jungen Bender in der Startformation gegen Dänemark trumpfte Löw erneut auf und hat mal wieder alles richtig gemacht. Der Junge gefiel  mit seiner unverbrauchten Art und seinem Erfolgshunger, aus dem das tolle 2:1 resultierte, so dass das dritte B in der Runde die EM wohl noch weiter außen, auf der Ersatzbank erleben wird, es sei denn, der Jogi nimmt noch mal eine neue B-wertung der Situation vor.

Boateng und Bender haben mit ihrer Art und ihrem Einsatz wirklich Großes bewirkt. Der Fan liebt solche Stories und rückt damit noch ein Stück näher an die Mannschaft. Gratulation!

In dem Sinne

Flach spielen, hoch gewinnen

Euer Sportkamerad Sascha00

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